ZU VIEL STRESS!
Raus aus der Stressspirale
Stress ist zu einem der größten Gesundheitsrisiken in der modernen Zeit geworden. Stress wird verursacht durch Anspannung, Frustration, Ärger, Streit, Zeitdruck, Angst und Überforderung. Der Gedanke an eine bevorstehende Prüfung, ein wichtiger Geschäftstermin, Zahnarztbesuch, Druck am Arbeitsplatz, Probleme in der Beziehung u.v.m. können uns so sehr belasten, dass wir dadurch krank werden.
Was den Beruf angeht, stiegen in den letzten Jahren deutlich die Anforderungen an die Arbeitnehmer. Neben einer Leistungsverdichtung kamen ein höheres Arbeitstempo und mehr Zeitdruck hinzu. Der Konkurrenzkampf untereinander und die Unsicherheit des Arbeitsplatzes sind weitere belastende Faktoren für den arbeitenden Menschen. Die Mehrfachbelastung, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, stellt eine häufige Stressursache dar. Bereits jeder dritte Deutsche leidet permanent unter deutlichen Stresssymptomen.
Eustress vs Dysstress
Nicht jeder Stress ist belastend. Wir unterscheiden Eustress und Dysstress:
- Eustress ist der positive Stress, der uns reizt, anspornt, motiviert
- Dysstress ist der negative Stress, der uns blockiert, ängstigt, hemmt, krank macht
Jeder Mensch reagiert anders auf Stress. Faktoren, die für den einen Stress bedeuten, wirken auf den anderen anregend. Während der eine damit nicht gut klarkommt, ist es für den anderen eine positive Herausforderung.
Ein gewisses Maß an Stress, und das ist erwiesen, tut uns Menschen gut. Oft ist es so, dass wir uns bestimmten Aufgaben stellen müssen und diese dann zu aller Zufriedenheit gut erledigen und meistern. Diese Erfolgserlebnisse tun uns gut. Wir brauchen sie. Sie bestätigen uns in unserem Wesen, stärken unseren Glauben an uns selbst, geben uns Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein. Das alles wirkt sich positiv auf unser Leben aus. Viele Menschen schaffen sich bewusst ihren eigenen, gut dosierten Stress, um mehr Abwechslung zu haben, dem „langweiligen Alltag“ eine Prise Pfeffer beizufügen. Zu viel Stress aber ist nicht gut für uns. Es gibt keinen Menschen, der sich bei zu viel Stress wohl fühlt, da dann unsere Gesundheit und unser psychisches Wohlbefinden beeinträchtigt werden. Wenn der Stress sich dann weiter auf Beziehungen auswirkt (sowohl private als auch berufliche), ist es höchste Zeit, etwas zu unternehmen.
Da wir alle unterschiedliche Persönlichkeiten sind mit individuell lebens-geschichtlich bedingten Stärken und Schwächen, reagiert jeder Mensch anders auf bestimmte Probleme und Stressoren. Natürlich gibt es bestimmte Ereignisse, die bei jedem psychisch gesunden Menschen dieselbe Reaktion auslösen, z.B. der Tod einer geliebten Person -> Trauer, die Geburt des eigenen Kindes -> Freude, aber auch hier variiert die Intensität sehr.
Je älter wir werden, desto besser sollte es uns gelingen, mit den Dingen umzugehen, die uns aus der Bahn zu werfen drohen. Während wir in unserer Kindheit und Jugend noch wenig Lebenserfahrung haben, können wir im reiferen Alter oft auf ähnliche Situationen zurückblicken, die wir schon mal meistern mussten und auch geschafft haben. Je mehr Erfahrung und Reife wir haben, desto besser lernen wir, mit Unerwartetem umzugehen, unsere Bewältigungsstrategien zu optimieren und unsere Verhaltensweisen anzupassen. Meist sind dies Prozesse, die nicht offensichtlich von uns gesteuert oder wahrgenommen werden, sie laufen unbewusst ab.
Stressoren und Stressanalyse
Jeder Stress hat seine Ursache (Stressoren). Diese müssen von uns erkannt und beleuchtet werden. Es gilt immer, abzuchecken, ob unsere psychischen und körperlichen Reaktionen darauf vernünftig und sinnvoll sind oder nicht. Eine Stressanalyse ist von oberster Priorität.
Die Fähigkeit zur Stressbewältigung ist eine Mischung aus angeborenem Stress-Umgangs-Potenzial sowie das Ergebnis eines Lernprozesses, der durch Erziehung und praktische Übung beeinflusst wird. In welcher Form uns Stress beeinflusst, hängt davon ab, ob sich die Beanspruchung durch den Stress und unsere Fähigkeit, dagegen anzugehen, die Waage halten. Ein zu starkes Ungleichgewicht zwischen Belastung und Stressbewältigung ist nicht gut und führt zu Problemen. Dysstress ist die Folge.
Weitere wichtige Aspekte, die die Intensität des Stresses bei uns mitsteuern und bestimmen, sind der Auslöser, die Bedeutung, die das Geschehen für uns hat, und die Art und Weise, wie wir darauf reagieren. Wenn ein Mensch nicht in der Lage ist, den Stress zu bewältigen, entstehen häufig psychische und körperliche Stresssymptome.
Zusammenfassend können wir folgende Formel aufstellen:
Das Stressausmaß insgesamt setzt sich zusammen aus
- dem belastenden Ereignis,
- der eigenen Reaktion (psychisch & körperlich) auf dieses belastende Ereignis,
- der Bedeutung, die dieses Ereignis für uns hat (glücklich – traurig – gleichgültig).
Ein stets monoton ablaufendes Leben ohne Höhen und Tiefen, ohne Herausforderungen wünscht sich wohl keiner. Wichtig ist jedoch, dass einschneidende Veränderungen zu einem Zeitpunkt stattfinden, an dem wir in der Lage sind, diese zu bewältigen. Je mehr geplante oder ungeplante Veränderungen in einem bestimmten Zeitraum geschehen, desto mehr Stress muss verarbeitet werden. Daraus folgt: Je größer die Zahl der Lebensereignisse, die innerhalb einer gegebenen Zeit eintreten, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir mit Stresssymptomen reagieren. Dabei ist zu beachten, dass der Schweregrad der Stressreaktion meist in Beziehung zur Bedeutung der Lebensereignisse und der erlebten Veränderungen steht.
Stress kann sowohl durch positive (z.B. Heirat, Geburt eines Kindes, Umzug in das eigene Haus) als auch durch negative (z.B. Arbeitsplatzverlust, Erkrankung, Unfall) Geschehnisse ausgelöst werden.
Stresswert sehr hoch -Lebensereignis:
Tod des Partners, Scheidung / Trennung, Haftstrafe, Tod im engen Familienkreis, eigene schwere Verletzung / Erkrankung, Hochzeit, Verlust der Arbeitsstelle, Umzug
Stresswert hoch - Lebensereignis:
Schwere Ehekrise, Pensionierung, Schwere Erkrankung in der Familie, Schwangerschaft, Sexuelle Probleme, Nachwuchs, Arbeitsplatzwechsel, Finanzielle / Materielle Probleme, tod eines guten Freundes
Stresswert mittelmäßig - Lebensereignis:
Streit in der Familie, Hohe Hypothek / Anleihe, Kündigung eines Darlehns, Neuer beruflicher Verantwortungbereich, Kinder verlassen das Elternhaus, Streit mit Verwandten, Großer persönlicher Erfolg, ANfang / Ende der Berufstätigkeit des Partners, Schuleintritt / - abschluss der Kinder, Änderung der Lebensverhältnisse, Änderung pers. Angewohnheiten, Probleme mit dem Chef / Vorgesetzten
Stresswert niedrig - Lebensereignis:
Änderung von Arbeitszeiten / -bedingungen, Schulwechsel, Änderung von Freizeitverhalten, Änderung von gesellschaftlichen Aktivitäten, Kleine Hypothek / Anleihe, Änderung im Kontakt innerhalb der Familie, Änderung der Schlaf- und Essgewohnheiten, Urlaub, Weihnachten, Kleine Gesetzesübertretungen
Jede Veränderung bewirkt Stress, doch am belastendsten sind die, die
- unvorhersehbar,
- plötzlich,
- intensiv,
- größeren Ausmaßes,
- einen direkt betreffend,
- auf der Gefühlsebene,
- unvermeidlich,
- ungewohnt,
- ungewollt,
- zwangsläufig sind.
Oftmals sind es nicht die Situationen an sich, die uns den Stress bereiten, sondern die Gedanken, die wir uns darüber machen. Wir zweifeln und grübeln, wie wir mit einer bestimmten Situation umgehen sollen, haben schlaflose Nächte und kleben den ganzen Tag an diesem Thema. Selbst wenn die Lage geklärt ist, beschäftigen wir uns oft weiter mit dem Thema und fragen uns, ob wir richtig gehandelt haben, was für Konsequenzen das Ganze für uns haben könnte, ob wir uns nicht lieber anders entscheiden hätten sollen etc. Oftmals entsteht aus solchen Gedanken der eigentliche Stress. Neue Herausforderungen werden oft aus Angst nicht angenommen, da wir uns im Vorfeld zu viele Gedanken darüber machen („Ich schaffe das sowieso nicht“, „Das kann ich nicht“, „Was tun, wenn es schief geht?“, „Ich weiß nicht, wie“) und diese Gedanken dann Stress bei uns auslösen, der uns daran hindert, die neue Herausforderung anzunehmen.
Wenn wir auf der Suche nach Stressoren sind, werden wir in zwei Bereichen fündig. Zum einen liegen die Stressquellen in bestimmten Lebensereignissen, zum anderen in unseren psychischen und körperlichen Reaktionen darauf. Manchmal wissen wir ganz genau, was in einer bestimmten Situation konkret uns Stress bereitet, was die Ursache ist, und können uns damit auseinandersetzen. Manchmal aber können wir nicht genau definieren, was da los ist, was genau den Stress bei uns auslöst. Unser Ziel sollte immer sein, Stressoren frühestmöglich zu erkennen, zu definieren und zu bearbeiten.
Nehmen Sie sich immer mal wieder etwas Zeit, um Konflikte, die Sie mit sich herumtragen, zu beleuchten und zu analysieren. Haben Sie mit jemandem dauerhaft Meinungsverschiedenheiten? Erleben Sie sich in bestimmten Situationen immer als Verlierer oder als nicht gut genug? Sind Sie mit der Rolle, die Sie spielen, einverstanden, oder nicht? Fühlen Sie sich in ihr wohl? Tragen Sie unausgesprochene Lebensängste mit sich herum?
Warnsignale, die uns Bescheid geben, dass es gerade zu viel für uns ist / wird, empfängt jeder Mensch. Sie sind jedoch nicht bei jedem Menschen gleich, sondern variieren von Individuum zu Individuum beträchtlich. Jeder hat andere Alarmglocken, die sich bei ihm melden, jeder hat sein eigenes individuelles Reaktionsmuster auf Stress. Der eine bekommt Kopfschmerzen, der andere Atemnot, ein weiterer Durchfall, Hautausschlag, Verdauungsstörungen, Erektionsstörungen etc., doch bei den meisten Menschen zeigen sich die ersten Warnsignale im psychischen, emotionalen Bereich. Der Betroffene selbst nimmt diese ersten Warnhinweise oftmals erst gar nicht wahr.
Psychische Stressreaktionen
- Gefühl, unter Druck zu stehen
- Gefühl der Anspannung, Unfähigkeit zu entspannen
- Gefühl der inneren, geistigen Leere
- konstante Ängste und Sorgen
- zunehmende Reizbarkeit und Instabilität
- vermehrtes, häufiges Klagen
- Frustration
- Aggression
- Ruhelosigkeit, Nervosität
- zunehmende Konzentrationsschwäche
- Probleme, Aufgaben zügig zu erledigen
- Weinerlichkeit
- zunehmende Hoffnungslosigkeit
- wachsendes Misstrauen gegenüber anderen Menschen
- Entscheidungsunfähigkeit
- Wunsch, einfach wegzulaufen und dem Alltag zu entfliehen
- Angst, plötzlich ohnmächtig zu werden, zusammenzubrechen oder zu sterben
- Angst zu versagen
- zunehmende Freudlosigkeit, Unfähigkeit zu genießen
- Vergesslichkeit
- Depression
- Apathie
Die ersten Anzeichen für psychische Stressreaktionen sind i.d.R. eine erhöhte Anspannung, gesteigerte Reizbarkeit und unerklärliche Stimmungsschwankungen. Oftmals sind es dann nur Kleinigkeiten, die eine große Reaktion nach sich ziehen, da der Mensch unausgeglichen ist und auch viel empfindlicher dadurch. In normalem Zustand würde er vielleicht darüber lachen oder sich kurz ärgern, aber im angeschlagenen Zustand kann er explodieren, anfangen zu weinen, toben oder vereisen.
Körperliche Stressreaktionen
- Muskelanspannung
- Herzsensationen
- schnelle, flache Atmung
- Schweißausbruch
- Mydriasis
- Übererregtheit
- Appetitveränderungen
- Muskelschwäche, Muskelzittern
- Magenbeschwerden
- Schlafstörungen
- Schreckhaftigkeit
- Kopfschmerzen
- Gliederschwäche
- Verdauungsstörungen
- Häufiger Harndrang
- Brustschmerzen
- allgemeines Unwohlsein, Schmerzen, Stiche
- Diarrhö, Obstipation
- Müdigkeit, Schwächegefühl
- Verschlimmerung chronischer Schmerzen
- anhaltende Nervosität und Unruhe
- Kribbeln
- trockener Mund oder Rachen
- flaues Gefühl im Magen
- Gänsehaut
- Hypertonie
- Hyperventilation
- sexuelle Funktionsstörungen
- Zittern
- Zuckungen
Wenn wir in Stresssituationen geraten, produziert unser Körper mehr Stresshormone, u.a. Adrenalin und Cortisol. Des Weiteren werden unsere Herzfrequenz, unser Blutdruck, Puls und Stoffwechsel beeinflusst, unsere Atemgeschwindigkeit nimmt zu, unsere Sinne (Riechen, Sehen und Hören) werden schärfer. Von Bedeutung ist natürlich auch die Dauer und Intensität der stresserzeugenden Situation, der Zeitpunkt, wann diese auftritt und die Häufigkeit, wie oft sie auftritt.
Weitere Stressreaktionen
Weitere Reaktionen auf Stress sind, mehr Alkohol zu konsumieren, mehr Zigaretten zu rauchen, mehr zu essen, um so die Probleme zu kompensieren (zu versuchen). Dies ist in Wirklichkeit natürlich Quatsch, jedoch für den Betroffenen im Moment oft die einzige Lösung. Anstatt sich dem Problem zu stellen, verdrängt er es zunächst und meint, Alkohol, Nikotin, Schokolade und andere Süßigkeiten beruhigen und helfen. Wir neigen dazu, unsere psychischen und körperlichen Stressreaktionen, die Warnsignale also, erst einmal nicht ernst zu nehmen und ignorieren sie. Schließlich werden wir aber gezwungen, uns der Sache zu stellen, aber dann sind wir meistens schon krank.
Ziel ist, es gar nicht so weit kommen zu lassen. Wir müssen lernen, unser Stressverhalten zu beleuchten, welche Situationen bewirken bei uns Stress, wie zeigt sich dieser bei uns (psychisch und körperlich) und wie gehen wir damit um. Je früher wir intervenieren, desto besser für uns und unsere Gesundheit.
Stresstagebuch
Konstruktives Stressmanagement ist ein wichtiger Begriff für erfolgreichen Umgang mit Stress. Ein Stresstagebuch ist sehr empfehlenswert für jeder-mann, der bereit ist, Stress im Ansatz zu erkennen, Stresssymptome ernst zu nehmen und regelmäßig Eigenhygiene zu betreiben.
Ein Muster-Stresstagebuch kann so aussehen:

Problemkategorien, Stressursachenforschung und Lösungsansätze:

Bei einem Stresstagebuch müssen wir immer differenzieren,
- welche Probleme mit praktischen Lösungen beseitigt werden können,
- welche sich mit der Zeit alleine bessern werden,
- welche sich nicht ändern lassen.
Die unabänderlichen Probleme gilt es zu akzeptieren und Grübeleien dazu aus dem Kopf zu verbannen. Sie belasten uns nur. Wenn wir etwas nicht verändern können und wissen, dass wir damit leben müssen, wie z.B. natürliche Alterungsprozesse, dann sollten wir versuchen, diese Sachen auch so zu akzeptieren. Das klingt natürlich einfacher, als es ist, aber es hilft uns ungemein, unseren Weg durchs Leben zu finden. Auch Problemen, von denen wir wissen, dass sie mit der Zeit verschwinden, wie z.B. eine gebrochene Rippe, sollten wir keine allzu große Dauergrübelaufmerksamkeit schenken. Das sind unnötige negative Gedanken.
Erfolgskontrolle und Stressentwicklungsbeobachtung sind zwei grundlegende Faktoren für einen konstruktiven Umgang mit Stress. Es ist empfehlenswert, in bestimmten Zeitabständen (am besten wöchentlich!) Eintragungen im Tagebuch vorzunehmen, mit den letzten Notizen zu vergleichen und ein Zwischenresümee zu ziehen. Was hat sich seit dem letzten Kontrolltag getan, wie haben sich Art, Schweregrad und Dauer der Stressreaktionen verändert? Scheint eine Lösung nicht zu funktionieren, kann eine andere ausprobiert werden. Nach etwa 6-12 Wochen wird erfahrungsgemäß eine deutliche Verbesserung eingetroffen sein.
Wenn wir immer wieder grübeln, sich uns immer wieder negative Gedan-ken aufdrängen, sollten wir diese hinterfragen: Sind sie wirklich angemessen, sind bestehende Schuldgefühle berechtigt oder nicht, was spricht für und was gegen diese Art zu denken etc.
Tages- und Wochenplaner
Um eine genaue Übersicht über den eigenen Tages- und Wochenablauf zu erhalten, ist es empfehlenswert, einen Tages- und Wochenplaner anzulegen.
Unterschiedlich markiert werden Aufgaben,
- die getan werden müssen,
- die getan werden sollen,
- die nicht getan werden müssen.
So erhalten Sie einen guten Überblick über
- die Pflichttermine,
- die strebsamen und
- die freiwilligen Termine.
Voraus zu planen ist eine gute Möglichkeit, Stress deutlich zu reduzieren. Was muss nächste Woche alles erledigt werden? Was könnte ich sonst tun, um mir Freude zu verschaffen? Auch das Erkennen alter Fehler und das Nichtwiederholen dieser ist ein wichtiges Glied dieser Kette. Das bei vielen in Stresssituationen bewährte und übliche Muster, z.B. mehr Alkohol oder Nikotin zu konsumieren, kann so durchkreuzt werden. Eine klare und zielorientierte Vorausplanung, z.B. in der Woche nur zehn Zigaretten zu rauchen, kann dabei helfen. Ausreichend Schlaf kann auch einkalkuliert werden, genauso wie regelmäßige Sportzeiten, Essenszeiten, Ruhe- und Entspannungsphasen. Auch die Hobbys erhalten ihren Platz, ebenso Familie und Freunde.
Brainstormen, um Lösungen zu entwickeln
Wenn wir ein Problem haben und nicht wissen, wie wir am besten damit umgehen bzw. was wir tun sollen, ist ein Brainstorming zu empfehlen. Dabei wird das Problem auf ein Blatt Papier geschrieben und darunter werden in den freien Raum Lösungsideen notiert. Alles, was Ihnen (in z.B. fünf Minuten) einfällt, wird schriftlich festgehalten, so absurd oder verrückt manche Lösungsideen im ersten Moment auch klingen mögen. Im Anschluss daran werden alle Lösungsoptionen objektiv betrachtet. Welche sind überhaupt möglich und realistisch, welche nicht und können direkt gestrichen werden. In der zweiten Runde werden die besseren von den nicht so geeigneten getrennt und der Kreis wird erneut kleiner. Am Schluss bleibt eine Handvoll sinnvoller Lösungsoptionen übrig, die Ihnen dann zur Verfügung stehen. So sind Sie der Problemlösung einen großen Schritt näher gekommen und können sich eine der sinnvollen, in Frage kommenden Lösungswege aussuchen.
Organisation ist alles
Um Probleme zu lösen, schwierige Situationen zu meistern und Stressoren auszuschalten, ist eine gute Organisation der Schlüssel zum Erfolg. Wenn wir uns einem Berg von Aufgaben gegenüber sehen, hilft eine sorgfältige Planung. Wichtig ist dabei, nach Prioritäten vorzugehen und mit dem Wichtigsten zu beginnen. Es gilt, ein Problem zu definieren und ein Ziel zu formulieren. Ich möchte von A nach Z. Aber das alleine reicht nicht. Unerlässlich ist es, Zwischenschritte zu benennen, Teilziele zu formulieren, die Aufgabe in viele kleine Schritte zu zerlegen. Somit ist nicht nur eine bessere Übersicht und Erfolgskontrolle gewährleistet, sondern auch ein Dabeibleiben bei wachsender Motivation, wenn man feststellt, man hat wieder ein Teilziel erreicht. Planen und Handeln sind wirksame Antistress-mittel!
Fit sein gegen Stress
Das Wichtigste im Kampf gegen Stress ist unsere geistige und körperliche Fitness. Wenn wir fit sind, positiv denken und ein glückliches Leben führen, kann uns Stress nicht viel ab. Im Gegensatz dazu jemand, der stets negativ denkt, Tag für Tag lustlos lebt, keine Glücksmomente fordert und nichts für seine geistige und körperliche Fitness tut, der wird im Stresskreislauf gefangen und kann sich daraus nicht mehr befreien. Jedes Problem erscheint für ihn unlösbar und er geht langsam, aber sicher zugrunde. Die Probleme vermehren sich, erste psychische und körperliche Symptome entstehen, Arztbesuche folgen etc.
Deshalb heißt es, vorbeugen. Genügend Schlaf ist außerordentlich wichtig für ein Wohlgefühl, für Zufriedenheit sowie körperliche und geistige Fitness. Im Schlaf ruht sich der Körper aus und erholt sich, unsere Psyche verarbeitet die Geschehnisse des Tages, der letzten Wochen und Monate, wir regenerieren uns und tanken auf für den nächsten Tag.
Jeder Mensch hat seinen individuellen Schlafbedarf, der eine braucht fünf Stunden pro Nacht, der andere sieben, ein weiterer neun. Grundsätzlich gilt aber, dass jeder Mensch, wenn er sich in einer akuten Stressphase befindet, eher mehr Schlaf und Regeneration braucht, als wenn er ausgeglichen ist. Schlafstörungen sind ein häufiges Symptom von Stress. Entweder der Mensch kann nicht schlafen, weil er zu viel grübelt und ihn zu viele Dinge beschäftigen, er liegt wach und nervös im Bett, ist aufgewühlt, müde zwar, aber kann nicht schlafen. Schlaflose Nächte oder nur zwei, drei Stunden Schlaf pro Nacht sind auch wieder weitere Stressfaktoren. Oder der Mensch schläft zu viel, will am Wochenende und an freien Tagen einfach nicht aufstehen, sondern bleibt bis am Nachmittag im Bett und versucht immer weiterzuschlafen, um sich den Problemen nicht stellen zu müssen. Diese Verdrängung tut nicht gut, dieser „Zu-viel-Schlaf“ macht uns müde und kaputt, wir sind dann zu schlapp, um konstruktiv und aktiv unseren Stress bekämpfen zu können.
Um Schlafstörungen in den Griff zu bekommen, gibt es einige wirkungsvolle Techniken: Meditations- und Atemübungen, aber auch abendliche Spaziergänge, eine schönes wohltuendes Bad mit Duftöl, ein gutes Buch lesen, entspannende Musik hören etc. sind schlaffördernd.
Vor dem Ins-Bett-gehen über Probleme zu grübeln ist der falscheste Zeitpunkt dafür. Schlafmittel sind mit äußerster Vorsicht zu genießen. Natürlich sind sie in bestimmten Fällen wichtig und von Nutzen, aber grundsätzlich ist zu bedenken, dass sie uns abhängig machen und wir uns morgens benebelt fühlen. Schlafmittel können zur Gewohnheit werden und irgendwann können wir ohne sie gar nicht mehr einschlafen.
Gute Ernährung ist ebenso wichtig wie guter Schlaf. Eine gute, ausgewogene Ernährung ist gerade in der heutigen Zeit von enormer Bedeutung für unser körperliches und seelisches Wohlbefinden. Um Gesundheitsschäden vorzubeugen, sollten wir gezielt auf unsere Ernährung und unser Gewicht achten. Konkret heißt das:
- Fetthaltige Nahrungsmittel reduzieren,
- Zucker reduzieren,
- dafür mehr Ballaststoffe (Vollkornprodukte), Hülsenfrüchte, frisches Obst und Gemüse.
Ein radikaler Ernährungswechsel von einen auf den anderen Tag ist nicht zu empfehlen, besser ist ein schrittweise erfolgendes, austauschendes Programm. Ungesunde Produkte werden durch gesündere ersetzt. Diese Umstellung darf keinesfalls zur Qual werden, sondern sollte mit Spaß und guten Gedanken erfolgen. Auch bei den Getränken ist darauf zu achten, was konsumiert wird. Zu viel Zuckerhaltiges, Alkoholisches und Koffein-haltiges ist nicht gut für unseren Körper. Frische Säfte und viel Wasser (am besten stilles!) sind als Grundlage empfehlenswert.
Regelmäßige Bewegung und Sport sind absolute Grundsteine für körperliche und geistige Fitness, daher sollten Sie Ihre geeigneten Sportarten finden. Ob Tennis, Joggen, Schwimmen, Reiten, Aerobic, Judo, Fußball, Badminton, Fitnessstudio etc., wichtig ist, dass der Sport Ihnen gut tut und Sie sich dabei wohl fühlen. Auch tägliche Spaziergänge mit flottem Gang dienen der Fitness. Wichtig ist natürlich, den Sport auch richtig zu betreiben. Dazu gehören zuerst einmal gutes Aufwärmen und körperliche Dehn- und Streckübungen, um die Muskulatur zu lockern. Beim Sport ist immer auf die richtige Atmung und den Pulsschlag zu achten. Wenn die Schmerzgrenze erreicht ist, sollten Sie nicht darüber hinausgehen und eine Pause einlegen. (Er)Kennen und akzeptieren Sie Ihre Grenzen.
Entspannungstechniken helfen, Stress abzubauen. Ob Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Yoga oder Fantasiereisen, hier sollten Sie ausprobieren, was Ihnen am besten gefällt und optimal bei Ihnen wirkt. Regelmäßige Entspannung steigert nicht nur die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit, sondern bekämpft auch Müdigkeit, lindert Angst, Anspannung und sogar Schmerzen, wirkt schlaffördernd und senkt auch die Suchtgefahr.
Fazit
Abschließend lässt sich sagen, dass wir allein den Schlüssel zum Erfolg in uns tragen. Stressoren gibt es überall und es wird sie immer geben. Wir müssen nur lernen, sie frühzeitig zu erkennen und zu bearbeiten. Dann geht es uns gleich um einiges besser, wir fühlen uns freier, befreiter und haben viel mehr Kraft zur Verfügung, die wir positiv für unser Arbeits- und Privatleben nutzen können.
Abbas Schirmohammadi
Heilpraktiker für Psychotherapie, Entspannungstherapeut
www.abbas-schirmohammadi.de

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