Alles Wichtige für die Praxiseröffnung

Alles Wichtige für die Praxiseröffnung

Die Eröffnung einer Praxis erfordert drei Schritte. Schritt eins beschreibt den Prozess, die Praxisräumlichkeiten und die eigene geplante Arbeitsweise mit Hygiene-, Baurecht und weiteren geltenden Bestimmungen zu vereinbaren. Im zweiten und dritten Schritt werden Anmeldungen beim Gesundheits- und beim Finanzamt thematisiert.

Gemäß Heilpraktikergesetz ist eine feste Praxisadresse mit Anmeldung beim Gesundheitsamt Voraussetzung, um Heilkunde ausüben zu dürfen. Erst nachdem sich der Heilpraktiker solchermaßen niedergelassen hat, ist auch die Durchführung von Hausbesuchen gestattet. Praxisräume sollten so ausgewählt werden, dass sowohl die geplanten Diagnose- und Therapieverfahren ausgeübt und gleichzeitig behördliche Bestimmungen korrekt umgesetzt werden können. Eine rein auf die Praxiseröffnung bezogene Anforderungsliste an Räume lautet:
Welchen Platzbedarf erfordert die geplante Arbeitsweise: Warte-, Sprech- und Behandlungszimmer, Labor oder Ein-Raum-Praxis, Toilette?
Hygienerecht Welche Bedingungen an Räume und Ausstattung finden sich im Hygienerecht und stellt das örtliche Gesundheitsamt?
Baurecht Sind Umbaumaßnahmen baurechtlich genehmigungspflichtig beziehungsweise erlaubt z.B. die Raumhöhe (im bisherigen Hobbykeller), Patienten dort zu empfangen?

Der erste Schritt zur Anmeldung beim Gesundheitsamt folgt nach der Entscheidung, ob körperlich invasiv gearbeitet werden soll. Wenn ja, müssen Praxisräumlichkeiten und Hygienebestimmungen miteinander in Einklang gebracht werden. Dazu werden Informationen über die regional geltenden Erfordernisse, z.B. über Bodenbelag und Wandgestaltung (beides abwaschbar im Invasiv-Bereich) sowie Waschbecken im Behandlungsraum, vor Kauf oder Anmietung eingeholt. Und zwar am besten beim Gesundheitsamt selbst. Dies hat als Hüter der Hygiene und des Patientenschutzes sowie als Aufsichtsbehörde auch eine Beratungsfunktion. So kann schnell geklärt werden, ob der anvisierte Ort überhaupt als Praxis in Frage kommt, ob bauliche oder gestalterische Maßnahmen erforderlich sind sowie die Kosten. Und, ob der Vermieter diese gestattet oder gar selbst durchführt. Stellt das Gesundheitsamt die Anforderung „Waschbecken im Behandlungsraum“, kann aktiv auf eine generell nichtinvasiv arbeitende Arbeitsweise und damit auf das fehlende Risiko einer Patientengefährdung aus Hygienesicht hingewiesen werden. Die Praxis im eigenen Heim erfordert in der Regel keinen Umnutzungsantrag gemäß Baurecht, solange dafür weniger als die Hälfte der Wohnfläche genutzt wird. Innerhalb eines Wohngebietes am Rande oder außerhalb größerer Städte kann die (kostenpflichtige) Bereitstellung eines Parkplatzes erforderlich sein. Als Gewerbe oder Praxis ausgewiesene Räume ohne zugehörigen Parkplatz erfordern meist auch keinen. Gibt es am selben Ort andere medizinische oder gewerbliche Anbieter mit Parteienverkehr per Pkw, kann daraus auf die örtliche Regelung geschlossen werden beziehungsweise eine ebensolche Ausnahmeregelung für die eigene Situation beansprucht werden. So ein Präzedenzfall kann auch bei anderen behördlichen Anordnungen wie z.B. „Praxis im Obergeschoss nur mit Fahrstuhl“ helfen, wird eine andere medizinische Praxis im ersten Stock ohne Fahrstuhl ausfindig gemacht. Die Gemeinde- oder Stadtverwaltung gibt Auskunft zur lokalen Regelung. Ist eine sogenannte Bestellpraxis geplant (feste Termine, Einzelpatienten), muss bei offiziellen Anfragen darauf hingewiesen werden, denn der Begriff „Praxis“ suggeriert eine Fülle parkender Autos im Wohngebiet.

Sind Ort und Eröffnungsdatum festgelegt, erfolgt ein Besuch beim Gesundheitsamt mit dem Original-Zulassungsdokument. Das Gesundheitsamt fertigt eine Kopie der Zulassung an, erfasst Praxisadresse, Kontaktdaten und Starttermin und lässt meist eine Erklärung unterschreiben, die den Hygienestatus der Praxis klassifiziert.

Invasives Arbeiten erfordert, die besonderen Hygienevorschriften zu beachten. Dazu gehört, einen selbst geschriebenen Hygieneplan mit vom Robert-Koch-Institut (RKI) zugelassenen Mitteln zur Reinigung von Händen, Boden, Inventar und Instrumenten in der Praxis auszuhängen und die darin beschriebenen Hygieneprozeduren in Häufigkeit und Dauer der Einwirkzeit einzuhalten. Die Überprüfung der Einhaltung dieser Hygienebestimmungen ist Hauptgegenstand einer möglichen späteren amtsärztlichen Praxisbegehung. Diese kann generell bei jeder neuen Praxis im Sinne einer Abnahme erfolgen oder nur die invasiv arbeitenden Kollegen betreffen.

Nichtinvasives Arbeiten des Heilpraktikers (Heilpraktiker für Psychotherapie arbeiten naturgemäß nichtinvasiv) erfordert die übliche Sauberkeit einer professionellen Praxis. Je nach Arbeitsweise kann dazu gehören, Einweghandschuhe und Händedesinfektionsmittel bei und nach Patientenkontakt zu benutzen sowie das Kopfteil der Massageliege nach jeder Benutzung keimfrei zu machen. Auch wenn der Hygieneplan hier keine Pflicht ist, erscheint es doch sinnvoll, die Reinigungsprozeduren genau festzulegen, um diese von Anfang an in die eigene Routine einzubeziehen. Diese Arbeiten erfordern einen gewissen Zeitaufwand, der betriebswirtschaftlich gesehen als notwendige Arbeitszeit zu berücksichtigen ist, der jedoch keine Einnahme gegenübersteht.

Eventuell erfasst das Gesundheitsamt die zur Anwendung kommenden Therapieverfahren. Die Anmeldung kann auch postalisch erfolgen mittels beglaubigter Kopie der Zulassung (fertigt z.B. die Gemeinde an). Die örtlich ein wenig abweichende Praxis der Gesundheitsämter und der genaue Ansprechpartner werden telefonisch erfragt. Nach diesen einfachen Niederlassungsformalitäten kann der Heilpraktiker mit seiner Arbeit beginnen.

Nun erfolgt eine telefonische Anmeldung beim Finanzamt bis 31. Dezember des ersten Praxisjahres. Angemeldet wird eine freiberufliche medizinische und daher umsatzsteuerbefreite selbstständige Tätigkeit. Im auszufüllenden Steuererfassungsbogen kann immer, muss aber nicht, die sogenannte Kleinunternehmerregelung angekreuzt werden. Im Falle umsatzsteuerpflichtiger Dienstleistungen wie Seminare oder Leistungen, die nicht die Gesundwerdung oder -erhaltung zum Ziel haben (z.B. Coaching, kosmetische Maßnahmen), wird dadurch eine Befreiung vom Erheben und Abführen der Umsatzsteuer erreicht, solange Praxisumsatz minus -kosten unter derzeit € 17.500 liegen sowie in einem Folgejahr € 50.000 nicht überschreiten.

Sinnvoll ist außerdem die eigene Absicherung gegenüber Gefahren und Unwägbarkeiten. Eine Berufshaftpflichtversicherung leistet bei Schäden am Patienten. Eine Anmeldung bei der Berufsgenossenschaft ist erforderlich, wenn Angestellte vorhanden sind. Die Anmeldung dort ist generell sinnvoll, falls eine Berufskrankheit auftreten sollte. Eine Hausrat- (Geschäftsinhalts-)Versicherung sowie eine Absicherung gegen Elementarschäden ermöglichen die Wiederbeschaffung oder Reparatur von Gebäudeteilen beziehungsweise Praxismobiliar oder -geräten nach Eintritt des Versicherungsfalles.

 

Swantje Kallenbach
Heilpraktikerin und Coach