Mit Natur heilen – auch in der Tierwelt

Monika Heike Schmalstieg ist aktive Tierheilpraktikerin und Präsidentin des Verbands Deutscher Tierheilpraktiker e.V., kurz VDT. Abbas Schirmohammadi sprach mit ihr über das neue Magazin „Gesundes Tier“, das durch ihre Initiative nunmehr auch Fach- und Mitgliederorgan der über 2.400 Mitglieder ihres Verbands ist und über den Beruf des Tierheilpraktikers.

Frau Schmalstieg, der Presse-Blätterwald ist auch in punkto Tiermagazine schon ganz schön bunt, wenn wir uns die Bahnhofs- und Flughafenzeitschriftenstände so anschauen. Wozu ein neues Tiermagazin? Kann man nicht längst alles Wichtige im Internet finden?   

Haben Sie schon mal versucht, im Internet-Dschungel mit der überschießenden Flut von Informationen von Selbstdarstellern in Endlostexten mit Zitaten zweifelhaften Halbwissens eine vertrauenswürdige Antwort zu finden? Gerade in den Bereichen Medizin und Naturheilkunde hat sich ein eklatantes Pseudowissen im Netz entwickelt, so dass wir es an der Zeit finden, ein geordnetes, klar strukturiertes Magazin herauszugeben. Wir wollen ein Spezial-Magazin, das sich speziell der Gesunderhaltung der Tiere durch naturkonforme Haltung und naturheilkundliche Therapien widmet. Das fehlt bislang im Blätterwald! Die Tierhalter werden von den großen Pharmakonzernen mit Millionenaufwand für 1.000 und 1 Pille umworben. Mit „Gesundes Tier“ erhalten sie die Möglichkeit, mit den erstaunlichen Wirkungsweisen naturheilkundlicher Heilkunde Bekanntschaft zu machen. Der Tierheilpraktiker steht für diese Methoden. Selbst unseren Mitgliedern, derzeit schon über 2.400 Tierheilpraktikerinnen und Tierheilpraktikern in Deutschland, fehlte bislang ein Medium, mit dem sie gezielt aufklären und konkret Werbung und Public Relations für ihren Berufsstand und ihre Praxen machen können. Doch jetzt gibt es „Gesundes Tier“!  

Haben wir das richtig verstanden? Sie versorgen all ihre Mitglieder kostenfrei mit diesem Magazin?

Das soll nur der Anfang sein! Die Mitglieder sollen so viel wie möglich unser Magazin in Umlauf bringen, am besten mit ihrer eigenen Werbung darauf oder darin! Das schafft die Neugier für unsere Leistungen und auch die Vertrauensbasis, sich mit den Problemen, die die tierischen Lieblinge betreffen, beim nächsten Mal zum Tierheilpraktiker zu begeben, statt in die Tierklinik. Dort wird man ja mit den Zivilisationskrankheiten der Haustiere nicht verursachungskonform umgehen, sondern nur Symptome kurieren.

Sind Tierheilpraktiker Ihrer Meinung nach also die besseren Tierärzte?

Wir sollten uns in der Tierheilkunde von Anfang an nicht auf die ehrlosen Stellungskriege einlassen, wie sie der Heilpraktiker und die Ärzteschaft viele Jahre ausgefochten haben. Die Ärzte haben die Heilpraktiker lange als Scharlatane abgetan, bis die gemerkt haben, dass das Publikum die Spielchen durchschaut hat. Da ging eine Menge Vertrauen der Patienten in die Schulmedizin perdue. Und jetzt schreibt schon bald jeder dritte Doktor Naturheilkunde auf sein Praxisschild.

Und die Veterinärmediziner? Wie stehen die zur Tierheilpraktiker-Bewegung, wenn ich das mal so bezeichnen soll.

Nun ja, die haben einstweilen so volle Praxen und sind so rar, wie sie bestens versorgt sind als Medikamentenregiment der Massentierhaltung, da gibt es noch keine Existenzängste oder Neidgefühle auf die derzeit vielleicht 3.000 Tierheilpraktiker in Deutschland. Außerdem ist es bei den Tierheilpraktikern wie bei den Heilpraktikern in der Humanmedizin: sie benötigen für ihre Arbeit nur eine minimale Kapitalausstattung, die in die Behandlungshonorare einkalkuliert werden müssten, und deshalb bleibt der Tierheilpraktiker einfach konkurrenzlos preiswert für den Tierhalter. Für das Stundenhonorar eines Tierheilpraktikers kann ein Veterinärmediziner nicht arbeiten. Und dann: Der Tierheilpraktiker hat die nötige Zeit, sich wirklich intensiv mit dem Patienten und seinen Haltungsbedingungen auseinanderzusetzen, und der Tierhalter kann sich diese Zeit auch leisten. Dass da oft mehr Wirkung erzielt wird als bei der zwangsweise auf Minutentakt eingestellten Tierklinik oder Tierarztpraxis, das erkennen immer mehr Tierhalter.

Der Tierheilpraktiker kann keine verschreibungspflichtigen Medikamente einsetzen, der Tierarzt kann das, ist das nicht ein ganz gravierender Nachteil?

Aus meiner Sicht als erfahrene Tierheilpraktikerin wird viel zu häufig und vorschnell ein Anitbiotika verschrieben. Haben Sie unseren Gesundheitsminister vor ein paar Wochen gehört? Antibiotika sind – gerade mal 80 Jahre nach der Entdeckung des Penicillin –weitgehend wirkungslos geworden. Die Bakterienstämme sind größtenteils schon multiresistent. Er lamentiert über die bösen Patienten, die ihre Pillen nicht richtig einnehmen! Hätte mal die eigentliche Ursache der Multiresistenzen beim Namen nennen sollen: In der Massentierhaltung werden jährlich abertausende Tonnen an Antibiotika ins Futter gekippt, die Tiere und über den Fleischverzehr wir Menschen züchten dann resistente Bakterienstämme. Leider finden sich in der Tierproduktion momentan noch zu wenige Tierärzte, die alternative Wege gehen. Übrigens: Längst sind vor allem unsere Haustiere von solchen Resistenzen betroffen, d.h. unsere Tierarztkollegen müssen nun selbst statt zur Pille zu natürlichen, die Abwehr stärkenden Therapien greifen.

Wie steht es um die Ausbildung der Tierheilpraktiker? Es gibt ja nicht einmal eine gesetzliche Grundlage für den Beruf, geschweige denn für die Ausbildung.

Auch der Heilpraktiker hat ja keine staatlich geregelte Ausbildung und ist dennoch in Deutschland ein hochgeschätzter Heilberuf. Wir müssen auf verschiedenen Ebenen dafür sorgen, dass die Ansprüche an den Tierheilpraktiker hoch sind und dass Berufsanwärtern gute Ausbildungsangebote zur Verfügung stehen. Wir haben gerade mit den Paracelsus Schulen, die ja als erste Institution überhaupt eine geregelte THP-Ausbildung angeboten haben, eine Erweiterung des Basisstudiums um 40 % vereinbart, das heißt, dass dort jetzt fast doppelt so viele Unterrichtsstunden besucht werden können, bevor die Studenten zur VDT-Prüfung zugelassen werden, und auch inhaltlich ist die Ausbildung deutlich profilierter geworden. Vor allem geht es dabei um erfolgreiche Therapien bei den häufigsten und problematischsten Indikationen bei unseren Heimtieren. Es ist schon beruhigend, zu wissen, dass Paracelsus bundesweit weitaus die meisten Tierheilpraktiker ausbildet. Denn es gibt natürlich die üblichen Auswüchse auch bereits in diesem Marktsegment: Leider werden jetzt schon Fernkurse und 14-tägige Schnellkurse angeboten, und mancher oder manche gerade mal eben in der Praxis gelandete Tierheilpraktiker oder Tierheilpraktikerin fühlt sich schon zum Ausbilden berufen, ohne die geringste Qualifikation nachgewiesen zu haben.  

Sie leiten in Hannover die Paracelsus Schule, eine der meistbesuchten Lehrinstitute für Tierheilpraktiker. Wie können Sie das mit Ihrer Vorstandsposition im Verband verbinden?

Eine bessere Voraussetzung für meine Aufgabenstellung gibt es nicht! Ich bin ja nach wie vor auch als Tierheilpraktikerin tätig, wenn auch – ein wenig untypischerweise – viel in der Reiterei und in der Massentierhaltung als auch selektiert in der Kleintierpraxis bei speziellen Erkrankungen. In der Funktion bei Paracelsus kann ich direkt auf die Gestaltung der Lehrinhalte einwirken, auf die Vorgaben für die Dozentenauswahl, auf die Prüfungsinhalte, die Gestaltung der Praktika u.v.m. Ich plane auch die gemeinsamen THP-Kongresse. Nebenbei ist vielleicht auch interessant, dass ich meine eigene Tierheilpraktiker-Ausbildung ebenfalls bei Paracelsus absolviert habe. So kann ich insbesondere für die bei dieser Institution ausgebildeten und vom VDT geprüften Tierheilpraktikerinnen und Tierheilpraktiker mit bestem Gewissen sagen, dass der Kunde sich auf ihre Qualifikation hundertprozentig verlassen kann!

Frau Präsidentin, wir haben von Ihnen schon etliche interessante Beiträge in der Fachpresse für Tierheilkunde lesen dürfen. Wir hoffen sehr, dass Sie auch für das „Gesunde Tier“ Beiträge liefern werden.

Natürlich, denn „Gesundes Tier“ wird ja nun als PR-Plattform und Mitteilungsorgan für unsere Mitglieder eingesetzt, und das werde ich aktiv nutzen! Ich hoffe dabei auch auf viele interessante Beiträge unserer aktiven Mitglieder, die den Lesern einen möglichst tiefen Einblick in die Arbeit der Tierheilpraktiker und die Wirkungsweisen der natürlichen, ganzheitlichen Heilverfahren bieten soll.

Frau Schmalstieg, wir danken Ihnen für das Gespräch!

 

Weitere Infos zum Magazin „Gesundes Tier“ auf www.tierheilpraktiker.de

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