Die Unsauberkeit bei Katzen nimmt weit über 50 % der Katzenfälle in der tierpsychologischen Praxis ein. Die Ursachen und Therapiemöglichkeiten sind hier sehr vielfältig und sollten individuell auf den tierischen Patienten abgestimmt werden. Es gilt einiges zu beachten: Grundsätzlich lassen sich solche Fälle nur in Hausbesuchen behandeln. Vorab muss unbedingt abgeklärt werden, ob es sich überhaupt um ein psychisches Problem handelt! Gerade Katzen neigen zu Nierenerkrankungen und Blasenentzündungen.
Ist eine gesundheitliche Ursache ausgeschlossen, kann die Fallanamnese beginnen. Zu beachten ist hier, dass Katzen von Natur aus markieren und so das Urinieren und auch Koten eine Form der Kommunikation ist. In der Regel unterbinden wir dieses Verhalten durch Kastration. Es ist ein Irrglaube, dass nur Kater markieren, auch weibliche Katzen markieren, besonders während der Rolligkeit!
In der Fallanamnese ist ebenso zu unterscheiden, ob es sich um einen Freigänger oder eine reine Wohnungskatze handelt. Freigänger markieren ihr Revier draußen, selbst wenn sie kastriert sind. Bei den meisten Katzen führt dies zu keinen Problemen, sie können sehr wohl unterscheiden, dass sie draußen urinieren und koten können, im Haus aber nur die Katzentoilette benutzen dürfen. Nur bei einem geringen Prozentsatz wird es problematisch. Markierverhalten ist von sog. Protestpinkeln leicht zu unterscheiden. Markiert wird in der Regel an erhöhten Stellen und nur in kleinen Mengen. Die Katze hebt den Schwanz und verspritzt ein wenig Urin an strategisch wichtigen Stellen, wie z.B. Türrahmen. Sie steckt ihr Revier ab, um anderen Katzen die klare Botschaft zu senden: „Hier wohne ich, andere Katzen haben hier keinen Zutritt!“ Besonders häufig passiert das in Gegenden mit einer sehr großen Population von Freigängern.
Abhilfe kann hier ein Pheromonspray schaffen. Regelmäßig werden die Stellen eingesprüht, die die Katze markiert. Mit den Pheromonen wird ihr suggeriert: „Hier habe ich schon markiert!“ Dieses Pheromonspray riecht nicht so stark wie Urin und ist auch nicht schädlich für Möbel, Türrahmen etc. Nach einiger Zeit wird die Katze das Markieren von selbst vergessen.
Weiterhin sollte darauf geachtet werden, dass keine fremden Katzen das Haus betreten können. Katzenklappen, die mit einem Sender verbunden sind, der sich am Halsband der eigenen Katze befindet, und die sich nur für diese Katze öffnen, haben sich hier bewährt. Sollte die Katze durch den Freigang verlernt haben, die Toilette im Haus zu benutzen, sollte unter das Katzenstreu Erde oder Gras, der bevorzugte „Pinkeluntergrund“ von draußen, beigemischt werden. Wird die Katze auf frischer Tat ertappt, ruhig reagieren und sie wie einen Welpen in die Toilette setzen. Gerade bei Freigängern ist es wichtig, zwei Toiletten pro Katze aufzustellen, denn in der freien Natur setzen Katzen Kot sehr weit vom Urin ab. So kommt man dem natürlichen Verhalten der Katze entgegen.
Wohnungskatzen stellen den größeren Anteil bei der Unsauberkeit dar. Hier muss Ursachenforschung betrieben werden. Dies ist oft sehr schwierig und manchmal hilft es nur, den Patientenbesitzer über einen längern Zeitraum Tagebuch führen zu lassen. Ist die Ursache abstellbar, so sollte man dies tun. Oft ist es aber leider nicht so einfach, hat Frauchen vielleicht einen neuen Freund, oder ist ein Baby in die Familie gekommen? In solchen Fällen muss versucht werden, der Katze die neue Lebenssituation so schmackhaft wie möglich zu machen. Viel Aufmerksamkeit, Bach-Blütentherapie, die Möglichkeiten sind hier breit gefächert und müssen individuell mit dem Patientenbesitzer abgestimmt werden.
Sehr häufig liegt die Unsauberkeit aber auch am „stillen Örtchen“. Katzen legen Wert auf eine saubere Toilette, aber nicht nur das, auch Form, Größe und Standort sind von Bedeutung. Die Toilette sollte an einem ruhigen Ort stehen. Vermieden werden sollte auch unbedingt, das Futter direkt neben der Toilette zu servieren. Menschen essen ja auch nicht auf der Toilette! Nicht alle Katzen sind gleich, die einen bevorzugen Modelle mit Deckel, die anderen ohne. Grundsätzlich lösen sich Katzen in der freien Natur nicht in Höhlen, so dass Toiletten mit Deckel vielen Katzen nicht gefallen. Natürlich ist es für uns Menschen angenehmer, da durch den Deckel die Geruchsbelästigung ein wenig eingedämmt wird. Modelle mit Deckel und Katzenklappe gibt es auch, hier muss die Katze dann erst einmal daran gewöhnt werden, eine Katzenklappe zu benutzen. Die Körpergröße der Katze spielt auch eine Rolle. Eine Maine Coon Katze, die durchaus bis zu 10 kg auf die Waage bringt, benötigt auch eine XL-Katzentoilette. Für die Auswahl der Größe gilt: Die Katze sollte vollständig reinpassen, Platz für Drehungen haben und ohne Probleme ihre Hinterlassenschaften zuscharren können. Ecktoiletten, die zwar wenig Platz wegnehmen, sind in der Katzenwelt daher nicht sonderlich beliebt. Aufgrund der Form geben sie der Katze recht wenig Bewegungsfreiheit.
Selbstverständlich sollte sein, dass die Toilette so häufig wie möglich gereinigt und Kot nach Möglichkeit sofort entfernt wird. Manchmal meint der Patientenbesitzer es aber auch zu gut, indem mit Duftbäumchen oder stark riechenden Reinigern gearbeitet wird. Die empfindliche Katzennase kann dies aber stören, daher ist es empfehlenswert, die Toilette regelmäßig mit kochend heißem Wasser auszuwaschen und parfümierte Extras zu vermeiden.
Die Wahl des Katzenstreus kann ebenfalls bei der riesigen Auswahl zum Problem werden. Vermieden werden sollte auch abrupte Wechsel des Streus, immer erst noch das Alte untermischen! Für Kitten oder sehr alte, gebrechliche Katzen empfehlen sich im Übrigen Toiletten mit ganz niedrigem Einstieg.
In Mehrkatzenhaushalten kommt es oft zu Mobbing unter den Katzen. Hier muss der Patientenbesitzer unbedingt sicherstellen, dass der Katze freier Zugang zur Toilette gewährt und sie nicht gestört wird. Außerdem muss natürlich an der Situation an sich gearbeitet werden. Auch hier empfiehlt sich eine Bach-Blütentherapie oder ein Pheromonspray.
Letztendlich bedeutet Unsauberkeit immer eine Menge Arbeit für den Therapeuten und Patientenbesitzer. Fast alle Fälle lassen sich aber mit Geduld und Einfühlungsvermögen lösen!
THP Andrea Delveaux





