Heuschnupfen oder Erkältung? So erkennen Sie den Unterschied
Schnupfen ist nicht gleich Schnupfen: Auch wenn sich die Symptome – laufende Nase, Niesen, Hustenreiz – ähneln, ist es für Betroffene wichtig zu wissen, ob sie an einer Erkältung oder an Heuschnupfen leiden. Während es sich bei einer Erkältung um eine Virusinfektion handelt, ist Heuschnupfen eine allergische Reaktion auf Pflanzenpollen. Entsprechend den unterschiedlichen Ursachen unterscheiden sich auch die Behandlungsoptionen. Eine unerkannte und unbehandelte Allergie kann sich mit der Zeit verschlimmern – damit das nicht passiert, möchte dieser Artikel bei Betroffenen für Klarheit sorgen und praktische Tipps zur Linderung der Beschwerden geben. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die typischen Anzeichen einer Pollenallergie richtig deuten, was bei Heuschnupfen wirklich hilft und wie Sie im Alltag vorbeugen können.
Was ist Heuschnupfen?
Die allergische Rhinitis, umgangssprachlich Heuschnupfen genannt, bezeichnet Beschwerden der oberen Atemwege wie Schnupfen und Niesen, welche sich infolge einer allergischen Reaktion auf bestimmte Pflanzenpollen zeigen. Oft geht Heuschnupfen mit weiteren Symptomen wie geröteten und juckenden Augen, Hustenreiz und Hautschwellungen einher. Experten schätzen, dass ungefähr ein Viertel der Bevölkerung in Deutschland auf Pollen und andere Allergene mit allergischem Schnupfen reagiert, wobei die Beschwerden von Person zu Person unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Auslöser sind die Pollen von Bäumen (Birke, Erle, Haselnuss), Gräsern, Getreide (vor allem Roggen) und Kräutern wie Ambrosia oder Beifuß. Heuschnupfen tritt saisonal zur Blütezeit der jeweiligen Pflanze auf, wenn viele Pollen durch die Luft fliegen – je nachdem, wann die Pflanze blüht, können die Symptome sich vom Frühjahr bis zum Herbst zeigen. Da viele Betroffene auf mehrere Pollenarten allergisch reagieren, haben sie oft viele Monate lang mit Heuschnupfen zu kämpfen: Aufgrund der globalen Erwärmung fliegen die Pollen mancher frühblühender Bäume bereits im Januar/Februar, während einige Kräuter bis in den Oktober hinein blühen. Im Frühling und Sommer häufen sich Heuschnupfen-Fälle.
Was ist eine Erkältung?
Bei einer Erkältung handelt es sich ebenfalls um eine Erkrankung der oberen Atemwege, der allerdings im Gegensatz zum Heuschnupfen ein viraler Infekt zugrunde liegt. Auslöser sind verschiedene Arten von Viren, welche die Schleimhäute von Nase und Rachen befallen. Zu den typischen Symptomen einer Erkältung gehören Schnupfen mit laufender oder verstopfter Nase, Halsschmerzen und Husten. Auch Kopf- und Gliederschmerzen treten häufig auf. Die Viren, welche die Erkältung verursachen, können durch Tröpfcheninfektion (also über die Luft) und durch Schmierinfektion übertragen werden – Händewaschen ist ein geeignetes Mittel, die Übertragung auf dem letztgenannten Weg zu minimieren. Im Gegensatz zum allergischen Schnupfen treten Erkältungen gehäuft in der kälteren Jahreszeit auf.
Symptome im Vergleich
Ob Patienten an einer Erkältung oder an Heuschnupfen leiden, ist für Laien oft kaum erkennbar. Viele Symptome sind bei beiden Erkrankungen ähnlich oder wirken sogar identisch – insbesondere die Schnupfen-Beschwerden wie eine laufende Nase und häufiges Niesen. Gerade, wer zum ersten Mal auf Pollen allergisch reagiert, denkt vielleicht eher an eine Erkältung als an Heuschnupfen. Im Folgenden werden einige typische Symptome von Heuschnupfen und Erkältung sowie Unterscheidungsmöglichkeiten erläutert.
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Symptom |
Heuschnupfen |
Erkältung |
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laufende Nase |
dauerhaft, mit wässrigem, klarem Ausfluss |
meist nur zu Beginn, Sekret schleimig und verfärbt |
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verstopfte Nase |
möglich |
häufig bei fortschreitender Erkältung |
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Niesen |
häufig, in Serie, manchmal in Form regelrechter Niesattacken |
gelegentlich |
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Augenbeschwerden |
Rötungen, Juckreiz, Tränen |
selten betroffen |
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Halsbeschwerden |
„juckendes“ Gefühl im Hals/am Gaumen |
„kratziges“ Gefühl im Hals (zu Beginn der Erkältung), Halsschmerzen (im weiteren Verlauf) |
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Ohrenschmerzen |
untypisch |
möglich |
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Fieber |
untypisch |
möglich |
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Husten |
vor allem bei allergischem Asthma, Sekret ist klar |
Reizhusten zu Erkältungsbeginn, später Beteiligung der Bronchien mit festsitzendem Husten und schleimigem Auswurf möglich (bei eitrigem Sekret: schleunigst Arzt aufsuchen!) |
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Kopfschmerzen |
selten |
möglich (vor allem bei fortgeschrittener Entzündung der Nasennebenhöhlen) |
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Gliederschmerzen |
untypisch |
möglich |
Diagnosemöglichkeiten
Wenn Symptome länger anhalten und/oder unklar sind, man stark im Alltag beeinträchtigt ist oder sich einfach richtig krank fühlt, sollte man den Arzt aufsuchen. Zum einen kann eine verschleppte Erkältung zu einer schwereren Erkrankung wie einer Nasennebenhöhlenentzündung oder Bronchitis führen, die insbesondere dann ernst wird, wenn sich zum ursprünglichen viralen Infekt noch eine bakterielle Infektion gesellt. Zum anderen kann auch ein unzureichend behandelter Heuschnupfen zu nicht zu unterschätzenden gesundheitlichen Problemen führen, etwa zu einer Ausweitung auf die unteren Atemwege mit Asthma bronchiale und akuter Atemnot.
Erster Ansprechpartner ist Ihr Hausarzt, der zunächst neben der Untersuchung eine gründliche Anamnese durchführen sollte. Bei Verdacht auf eine Pollenallergie liefern oft nicht nur die Symptome, sondern vor allem die Umstände ihres Auftretens Aufschluss. Ein typischer Hinweis auf Heuschnupfen ist etwa das plötzliche Einsetzen heftiger Symptome, während eine Erkältung sich eher mit langsam stärker werdenden Beschwerden ankündigt. Beispiel: Bekommt ein bis dahin beschwerdefreier Patient beim Spaziergang auf einem Feldweg starken Schnupfen, Niesen und tränende Augen, liegt der Verdacht auf eine Allergie gegen Gräserpollen nahe.
Der Hausarzt kann dann an einen HNO-Facharzt mit allergologischer Ausrichtung überweisen. Klarheit, ob man an Heuschnupfen leidet und gegen welche Pollen man gegebenenfalls allergisch ist, schaffen Allergietests wie Pricktests oder ein Bluttest. Beide Verfahren können spezifische Sensibilisierungen auf potenzielle Allergene nachweisen – beim Pricktest zeigt sich das Ergebnis sehr schnell an einer Hautreaktion, bei Bluttests erfolgen im Labor Testungen einer Blutprobe auf spezifische IgE-Antikörper.
Behandlung und Tipps
Je nachdem, ob Sie eine Erkältung oder Heuschnupfen haben, unterscheidet sich die Behandlung. Die gute Nachricht für Pollenallergiker: Akute Beschwerden lassen sich mit rezeptfrei in der Apotheke erhältlichen Antihistaminika schnell, zuverlässig und nebenwirkungsarm lindern. Je nach Symptom stehen unterschiedliche Darreichungsformen zur Verfügung, etwa Augentropfen oder Nasensprays. Leidet man an der vollen Bandbreite der Heuschnupfen-Symptome, empfehlen sich Tabletten. Bei heftigen Beschwerden wie Atemnot kann die Gabe von Kortikosteroiden angeraten sein. Gut zu wissen: Sowohl Antihistaminika als auch Kortikosteroide bekämpfen nicht die Ursache, sondern lediglich die Symptome. Wenn Sie Ihre Allergie(n) ursächlich therapieren möchten, können Sie sich einer Hyposensibilisierung unterziehen, deren Ziel es ist, die überschießende Immunreaktion auf die eigentlich harmlosen Allergene langfristig abzumildern. Diese Behandlung erfordert jedoch viel Zeit und sollte unbedingt mit einem Spezialisten für Allergologie abgestimmt werden.
Auch eine durch einen viralen Infekt verursachte Erkältung wird in erster Linie symptomatisch behandelt. Abschwellende Nasensprays können bei verstopfter Nase helfen, wieder „durchzuatmen“, sollten aber nur kurzzeitig angewendet werden, um eine Gewöhnung oder gar Abhängigkeit zu vermeiden. Ist man erkältet, sollte man sich schonen und viel Ruhe gönnen. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und gesunde, vitaminreiche Kost bewirken keine Heilung, können aber die Selbstheilungskräfte des Körpers unterstützen und das allgemeine Wohlbefinden verbessern. Bei Schmerzen können Schmerzmittel Linderung bringen - auch diese sollte allenfalls wenige Tage eingenommen werden. Klingt die Erkältung auch nach einer Woche nicht ab oder verschlimmert sich gar, sollte der Hausarzt kontaktiert werden. Falls sich eine bakterielle Infektion entwickelt hat, müssen ggf. Antibiotika zum Einsatz kommen – jedoch immer in Absprache mit dem Arzt.
Um Krankheitserregern keine Chance zu geben, sollte man das Händewaschen bei der Rückkehr nach Hause, das man sich während der Corona-Pandemie angewöhnt hat, beibehalten. Straßenkleidung zu Hause auszuziehen und sich vor dem Zubettgehen die Haare zu waschen, ist wiederum vor allem Allergikern zu empfehlen, um Pollen nicht aufs Sofa oder gar ins Bett mitzunehmen. Pollenschutzgitter und Luftfilter können helfen, die Allergene fernzuhalten/loszuwerden – und manche Luftfilter können auch Krankheitskeime aus der Raumluft filtern, sodass man zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt. Mit einem Online-Pollenflugkalender und entsprechenden Apps behalten von Heuschnupfen Geplagte den Überblick und können so Vorsorge treffen, wenn die für sie gefährlichsten Pollen unterwegs sind.